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Hämorrhoiden, Inkontinenz und Krampfadern

Liebe Kummerkasten-Konny,

„eines Morgens, ich war 45, bin ich in die Küche gegangen, um mir einen Kaffee aufzubrühen, und als ich wieder herauskam, war ich 59.“ Das habe ich mal wo gelesen, und es trifft voll auf mich zu. Wo sind die Jahre geblieben? Ich war immer sehr stolz auf mein Aussehen, jetzt aber habe ich – trotz Sport! – Hängewangen. Hängewangen! Was kommst als nächstes? Hämorrhoiden, Inkontinenz und Krampfadern? Da kann ich auch gleich ins Wasser gehen. Wofür lohnt es sich noch zu leben?

Fragt sich Regina (ehemalige Weinkönigin)

 

Liebe Regina,

lassen Sie einen alten Menschen nicht Ihren Körper entern! Ja, ja, das Altwerden ist nichts für Schwächlinge, aber he, was ist die Alternative? Es gibt Leute, die sagen: „Eigentlich wollte ich die Welt erobern. Aber es regnet.“ Lassen Sie sich von Kleinigkeiten wie Brustlappen, die Sie sich über die Schultern werfen können, nicht die Freude daran verderben, dass Sie immer noch da sind! Sie können nicht verhindern, dass Sie alt werden. Aber Geburtstage sind noch lange kein Grund, älter zu werden. Erstmal dankbar sein: alt zu werden ist ein Privileg, in dessen Genuss nicht alle von uns kommen. Wobei zugegebenerweise nicht jeder wie Wein altert … manche altern auch wie Milch. Aber Sie, als ehemalige Weinkönigin, werden das schon meistern. Prösterchen!

Ihre Konny

 

(Sneak Preread aus „Der Gärtner war’s nicht“, Insel Verlag)

Heiter altern

Willkommen im Alter

Als ich damals fünfzig wurde, bekam ich von meinen Auftraggebern die Vorgabe, gezielt für das Goldenager-Publikum zu schreiben, also für ältere Leser und Leserinnen, weil „du bist ja jetzt auch alt“.  Ich tat wie geheißen (für Geld mache ich alles, nur die Summe muss stimmen…), aber natürlich fühlte ich mich kein bisschen alt.

Mittlerweile ist fast ein Jahrzehnt vergangen, und jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ich mich freiwillig und von ganz allein dem Thema Älterwerden widme. Meine neuen Heldinnen Konny und Kriemhild sind über sechzig – Konny lebt aber weiterhin mit Gusto ihr Leben, macht Unsinn und verliebt sich, nur Kriemhild findet sich nun für vieles „zu alt“.  Nichtsdestotrotz stehen beide „ihre Frau“, wenn es darum geht, ihren Gärtner vom Verdacht des Todschlags zu befreien.

Das Schreiben hat mir großen Spaß bereitet. Und unterwegs wurde mir klar, wie ich selbst altern möchte: heiter, neugierig, lustvoll.