Kategorie-Archiv: Blogroll

BLOG – Der Autorin über die Schulter geschaut

Seit Juli 2017 kann man mir beim Schreiben über die Schultern schauen.
Es entsteht der zweite Band um die beiden alten Schnüffelschwestern Konny und Kriemhild, ihren Nacktkater Amenhotep und den Kommodore in der Urne.

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Proben gefällig? Hier bitte:

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Jedem Zauber wohnt ein Anfang inne (frei nach Hermann Hesse)

Oder offiziell: Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Und genau das gilt auch für erste Sätze.

Mein allererster gesprochener Satz auf diesem Planeten wurde nachlässigerweise leider nicht überliefert (das im Bild bin übrigens ich, damals schon kamerascheu), aber mein erster publizierter Romananfangssatz lautet nachweislich: Ich feiere keine Geburtstage mehr, auch meinen eigenen nicht. (Die Wuchtbrumme, S. Fischer Verlag).

Ist jetzt nicht so der Bringer. Da habe ich mich, wie ich finde, im Laufe der Jahre etwas gesteigert: Sein Leben als Leiche begann an einem Spätnachmittag im Herbst, ohne dass er es merkte. (Grabt Opa aus, Haymon Verlag)

Erste Sätze sind wichtig! Sie geben die Richtung vor. Berühmte Buchanfänge haben wir doch alle abgespeichert. Hier mal zum Mitraten:

Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt.

Nennt mich Ismael. 

Es war die beste aller Zeiten, es war die schlimmste aller Zeiten.

Ilsebill salzte nach.

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. 

(Auflösung: Die Verwandlung/Kafka, Moby Dick/Melville, Eine Geschichte zweier Städte/Dickens, Der Butt/Grass, Die Bibel)

Der erste Satz muss einen packen! Erste Sätze sind wie Fliegenfänger-Leimrollen, die von der Decke hängen: die Leser/innen bleiben im Idealfall wie die Fliegen haften …

Ergo lautet der erste Satz im Rohentwurf meines neuen Buches – Tusch! – wie folgt:

Der Kopf kullerte die drei Steinstufen hinunter – plopp, plopp, plopp – und landete im Kies am Fuß der Treppe, wo er knirschend auseinanderbrach.

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Giraffen – gibt es sie wirklich?

Eine Frage, die man sich gemeinhin nicht stellt. Weil, haben wir im Zoo oder auf Afrika-Rundreise doch alle schon gesehen: diese Langhälse mit den blauen Zungen. Aber vielleicht waren das nur Hologramme, für teuer Geld von Tourismus-Managern erstaunlich realistisch in die Landschaft projiziert?

Ob es sie nun gibt oder nicht, das spielt für unser Alltagsleben in der Schreibklause aber überhaupt keine Rolle.

Die Frage “Schreibblockaden – gibt es sie wirklich” steht uns Schriftsteller/innen schon sehr viel näher. Und auch da rufen alle: Klar, gibt es, hab ich selbst doch schon erlebt!

Oder erliegen wir da einer Massenhypnose?

Es gilt ja in manchen Kreisen als schick, wenn man mit Leidensmiene erklären kann, dass man gerade eine furchtbare Schreibblockade durchlebe. Es stilisiert einen zum hypersensiblen Künstler. Macht einen interessant.

Ich finde es nicht hilfreich, sich der Mär von der Schreibblockade hinzugeben. Denn nichts anderes ist es: eine Mär, ein Hirngespinst, pures Seemannsgarn. Chirurgen haben auch keine “Blockade” und zucken entschuldigend am OP-Tisch die Achseln: Sorry, heute kann ich einfach keinen Blinddarm sehen – da kriege ich Würgereiz! Klempner stehen nicht im Badezimmer und erklären mit gequältem Blick: Tut mir leid, ich kann heute keine verstopfte Toilette durchpusten, bin wie das Klo total blockiert – der Stundensatz wird leider trotzdem fällig.

Das Geheimnis des Schreibens besteht in einem Satz: Hintern auf Stuhl und sitzenbleiben, bis das Tagespensum erledigt ist!

Gibt es Tage, an denen es nicht so geschmeidig flutscht? Natürlich! Dann muss man das Geschriebene eben überarbeiten. Aber irgendwas geht immer. In Syndikats-Kreisen rufen wir uns öfter mal zu: SDS! Was soviel heißt wie: Schreib, Du Sau! Ordinär, aber wirksam.

Heute aktiviere ich meine innere Einpeitscherin. Nach schlafloser Nacht sitze ich relativ lustlos am Schreibtisch. Aber die Domina in mir, die mit dem strengen Blick und den Overknee-Stiefeln, steht schon Gewehr bei Fuß. Heute wird geschrieben! Komme, was wolle! Die Erfahrung zeigt: Nach den ersten mühsamen Seiten tanzen die Finger doch irgendwann müheloser und schließlich spielerisch über die Tasten. Es gilt die alte Binsenweisheit: Wenn das Wasser fließen soll, muss man den Wasserhahn aufdrehen!

ps: Und natürlich gibt es Giraffen wirklich! Man muss nur mal frühmorgens ins örtliche Hallenbad gehen …

Man lebt und lernt …

Weiterbildung für Schriftsteller hat hierzulande ja einen Beigeschmack. Im Land der Dichter und Denker kommt man als fertiger Wortkünstler von höheren Gnaden auf die Welt, basta. Da muss nicht noch feingeschliffen werden.

Das sehe ich anders. Lebenslanges Lernen macht glücklich und führt zu besseren Texten. Man sollte immer Neues ausprobieren und herausfinden, wie es vielleicht einfacher geht und was man geschmeidiger machen könnte.

Von meinem wunderbaren Kollegen Jürgen Ehlers habe ich mir beispielsweise abgeschaut, dass ich ein Buch nicht chronologisch runterschreiben muss, sondern mir – je nach Tagesform – einzelne Szenen herauspicken kann.

Und in der Masterclass von James Patterson habe ich jetzt gelernt, mehr Tempo und Kontinuität in meine Schreibe zu bringen.

In den englischsprachigen Ländern ist man uns in Sachen “Fortbildung für Autoren” eine Nasenlänge voraus. Wobei es mittlerweile viele Angebote auch im deutschen Sprachraum gibt, online und offline. Ich kann jedem und jeder nur zuraten!

p.s.: Aufmerksame Leser/innen des Blogs ist klar: ich bin immer noch im Prokrastinationsmodus und habe noch keine einzige Zeile geschrieben. *seufz

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