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Tatjana Kruse, Jahrgangsgewächs aus süddeutscher Hanglage, ist überzeugte Krimiautorin. Unveränderliches Kennzeichen: Immer ganz in Schwarz gekleidet!

Welcome. I’m glad you’ve found the way to this hospitable homepage. I’m a crime writer and a ray of sunshine in an all black wardrobe. Feel free to frolick through the sites and explore the wild world of Kruse, Tatjana Kruse, crime writer at large. Have fun !

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Heiterhäppchen, Tag 11

In der Pension der Schnüffelschwestern Konny und Kriemhild wird ein Gast mit einem Aufsitzrasenmäher ermordet. Erst gerät Gärtner Hirsch in Verdacht, später sogar Kriemhild. Konny ermittelt auf eigene Faust und meint, den Mörder entdeckt zu haben. Um ihn zu stellen, muss sie mit Gärtner Hirsch und Geldeintreiber Luigi über eine Wiese. Und das ist nicht ganz ungefährlich:

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Shaun, Dolly und das wollige Grauen

Schafe sind nicht die knuddligen, freundlichen Strickpullis auf vier Beinen, wie man sie als Städter aus Zeichentrickserien im Kinderprogramm kennt. Es sind hinterhältige verschlagene Attentäter, die Menschen für Bowlingkegel halten und immer darauf aus sind, mit gesenktem Schädel und hammerharter Stirn neun auf einen Steich zu fällen. Kurzum, sie sind eine Bedrohung. Zudem sind sie strohdumm.

Eben hatte Konny zu Luigi und Herrn Hirsch gesagt: „Wir sollten ausschwärmen und uns dem Mörder von zwei Seiten nähern. Damit wir ihn einkesseln können, falls er zu fliehen versucht.“

Da spürten sie auch schon, wie die Erde unter ihren Füßen förmlich erbebte.

Offenbar hielt der Schafbock die drei Menschen, die sich auf das Zelt zubewegten, für eine Bedrohung seiner kleinen Herde, obwohl die Herde, jenseits des Elektrozaunes, überhaupt nicht in Laufrichtung von Konny, Luigi und Herrn Hirsch lag.

Mit einem lässigen Sprung hechtete der Bock über den Zaun und setzte zügig zum Angriff an, wobei er sich – er war ja kein Feigling – den größten Zweibeiner als Ziel aussuchte. Kreischend rannte Luigi davon.

„Zickzack laufen!“, brüllte Konny, was Luigi hörte und beherzigte. Wie ein Hase schlug er Haken im neunzig Grad Winkel. Und für so einen großen, bulligen Kerl in engen Cowboystiefeln war er erstaunlich leichtfüßig unterwegs.

Herr Hirsch lief zum Haus zurück.

Konny war allein.

Nicht nur der Bock konnte den Zaun mit einem lässigen Sprung überwinden, wie sich gleich darauf herausstellte. Konny sah sich unversehens von drei Schafen umzingelt.

Sie drohte ihnen mit der Mistgabel, die sie zu Selbstverteidigungszwecken mit sich führte. Selbstverständlich hätte sie niemals wirklich zugestochen, aber das konnten die Schafe ja nicht wissen.

Offenbar hielten die Schafe die Mistgabel auch gar nicht für eine gefährliche Waffe. Mehr so für eine Aufforderung zum Tanz. Das kleinste Tier – entweder ein Lamm oder ein kleinwüchsiges Schaf, da war Konny sich nicht sicher – kam näher und schubberte sich an den Zinken. Ein sehr viel größeres Schaf kam ebenfalls näher, war aber nicht an der Mistgabel interessiert. Sein Blöken klang bedrohlich.

Konny wusste um ihre Schwächen. Nie im Leben war sie so gut zu Fuß wie Luigi, der – immer noch schreiend und Haken schlagend – schon fast den Waldrand erreicht hatte, den Bock dicht auf den Fersen.

Konny fuchtelte heftiger mit der Mistgabel. Das Schaf verstummte und ging es ein paar Schritte zurück.

Konny schwante nichts Gutes.

Übergangslos kam das Schaf auf sie zugestürmt.

In letzter Sekunde machte Konny einen Ausfallschritt nach rechts, und das Schaf bretterte in den Elektrozaun. Man hörte ein zischendes Geräusch, und das Schaf blökte. Das trug natürlich nicht gerade zur Freundschaft zwischen ihr und dem Schaf bei.

Drüben im Wald krachte es im Unterholz. Luigi und der Bock waren nicht mehr zu sehen.

Konny rannte los.

Wie nicht anders zu erwarten, war sie nicht schnell genug.

Das elektrisierte Schaf, das mit zwei Kolleginnen die Verfolgung aufnahm – nur das kleine Schubberschaf blieb zurück und schaute enttäuscht auf die Mistgabel –, erreichte sie als Erste und stieß ihr den Schädel gegen die Hüfte. Konny ging zu Boden.

Die drei Schafe nahmen um sie herum Aufstellung. Konny, die sich durchaus vorstellen konnte, versehentlich in ein Paralleluniversum geraten zu sein, in dem Schafe fleischfressende Raubtiere waren, hechelatmete.

Da sagte eine beruhigende Stimme: „Kanzlernachfolge.“

Gärtner Hirsch war wieder da und streckte die Hand aus, in der er ein Stück Brot hielt.

Konny war vergessen.

Friedlich knabbernd ließen sich die Schafe von Herrn Hirsch zur Seite führen. Er hatte den kompletten Brotvorrat der Pension geholt – das würde die Killerschafe eine Weile beschäftigen.

Der Bock drüben im Wald bekam mit, dass seine Frauen mit Leckereien versorgt wurden, und kam futterneidisch angetrabt.

Konny rappelte sich auf.

„Schleusenwärter?“, fragte Herr Hirsch.

„Ja, alles in Ordnung. Nur ein wenig verschreckt. Blöde Schafe!“ Konny klopfte sich diverses Erdreich vom Kleid. Was sie alles auf sich nahm, um ihrer Schwester zu helfen!

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Die Schafe haben die drei also überlebt. Werden sie das auch über den Mörder sagen können? Und warum redet Gärtner Hirsch „in Zungen„? Lest selbst:

Tatjana Kruse: „Der Gärtner war’s nicht„, Insel Verlag (auch als eBook und Hörbuch erhältlich)

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